Die immersive Ausstellung „MATER“ von Gonzalo Borondo verbindet Installation, Klang, Licht, mechanische Objekte und historische Bildmotive im Museum Villa Stuck in München.
Gonzalo Borondo bei der Arbeit an „Mater“ © Juan Carlos Gargiulo

Eine begehbare Bildmaschine

Ausstellung „Mater. Gonzalo Borondo“ in der Villa Stuck

Installation „MATER“ von Gonzalo Borondo in der Villa Stuck München, Gonzalo Borondo Villa Stuck,
Haupt Christi, Böhmen Ende 14. Jh., Röntgenaufnahme © Bayerisches Nationalmuseum München

Mit „Mater“ präsentiert das Museum Villa Stuck die zweite Intervention des Künstlers Gonzalo Borondo in München. Während der Sanierung des Museums hüllte 2025 ein weiß-golden bemaltes Netz die Fassade wie eine durchsichtige Haut ein – das Projekt trug den Titel „Chrysalis“. Nun strahlt die restaurierte Fassade in neuem Glanz und die Transformation setzt sich in den monumentalen Räumen des Neuen Ateliers der Villa Stuck fort. „Mater“ ist ein anderer Ort. Mit dem Betreten der Ausstellung öffnet sich eine Welt wie in einem Traum, die unsere Sinne herausfordert. Der Parcours bewegt sich zwischen Installation, Klangraum und begehbarer Bildmaschine; hinter jeder Schwelle wartet eine Überraschung. Der Ausstellungsparcours vereint klassische Märchen, antike Mythologie, barocke Ikonografie und elektronische Musik. Alice begegnet hinter den Spiegeln Pygmalion, Frankenstein trifft auf die Passion Christi, industrielle Objekte stehen neben sakralen Symbolen. Die Ausstellung entfaltet sich wie eine monumentale Oper und überschreitet traditionelle Kunstgenres. Borondo hat das Projekt „Mater“ gemeinsam mit der Dichterin Ángela Segovia und dem Musiker Niño de Elche entwickelt. Er setzt auf das Staunen als Möglichkeit, die Welt zu begreifen, und arbeitet mit illusionistischen Verfahren, die Wahrnehmung und Wirklichkeit gegeneinander verschieben. In einer Zeit, in der religiöse Bilderwelten längst den Kirchenraum verlassen haben und in Musik, Mode, Film oder digitaler Bildkultur eine neue Präsenz entfalten, gewinnen diese Motive eine andere Funktion. Sie treten weniger als Träger von Glaubensgewissheiten auf denn als Chiffren für Sehnsucht, Verlust, Gemeinschaft oder Erlösung. Gerade darin liegt die besondere Aktualität von „Mater“. Die Schau wird kuratiert von Dr. Helena Pereña. In Kooperation mit dem Instituto Cervantes. Das Röntgenbild wird ermöglicht von der Alexander Tutsek Stiftung.

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